Erleuchtet – Die Welt der Buddhas

Intro

Er­leuch­tet Die Welt der Buddhas Ab 20.11.2020 Digitorial zur Ausstellung

Der sitzende Buddha auf dem Lotosthron ist eine der ältesten und bis heute bekanntesten Darstellungen des Buddhismus. Auf seinem Weg vom Prinz zum Religionsgründer erforschte Buddha Shakyamuni den Ursprung und die Überwindung allen Leidens.

Buddhistische Mönche und Gläubige in einem Tempel, Thailand © Peter Thiele, Berlin

Gegenwärtig bezeichnen sich über 380 Millionen Menschen als Buddhistinnen und Buddhisten. In einigen Ländern, wie Thailand, ist der Buddhismus Mehrheitsreligion. Bilder des Buddha sind auf der ganzen Welt zu finden und geniessen enorme Popularität.

Buddha Shakyamuni als Prinz, Tibet, 16. Jh. Metall, feuervergoldet, Halbedelsteine ©Museum der Kulturen Basel, IId 13889, Sammlung G.W. Essen, Kauf 1998

Das Vorbild dieser Statue steht im Jokhang-Tempel in Lhasa, Tibet. Es ist eine seltene Darstellung von Buddha Shakyamuni als Prinz: Er trägt den Schmuck und das kostbare Gewand eines Herrschers. Gleichzeitig ist sein ruhiger und nach innen gewandter Gesichtsausdruck Zeichen der meditativen Versenkung.

Buddha Shakyamuni, Sri Lanka © Peter Thiele, Berlin

Bis heute ist die buddhistische Lehre lebendig und es werden laufend neue Bildnisse des Buddha geschaffen. Wie ein Buddha aussieht ist fast jedem bekannt. Wer war Buddha und was ist seine Botschaft? Die Darstellungen des Buddha spiegeln die Entstehung und Verbreitung der buddhistischen Lehre bis heute.

Taibai fragte einmal Baso: «Was ist Buddha?»
Baso antwortete: «Geist ist Buddha.»

Buddhismus ohne Buddha?

Buddhis­mus
ohne Buddha?

Buddhapada Prof. Dr. Peter Thiele, Berlin

Der Fussabdruck des Buddha symbolisiert seine Gegenwart. In den ersten Jahrhunderten nach dem Tod des historischen Buddha, etwa ab dem 3. Jh. vor unserer Zeit, wurde seine Lehre anhand von Symbolen dargestellt. Denn diese hatte er in den Mittelpunkt gestellt und die Verehrung seiner Person abgelehnt. Das Darstellen des Buddha in Form von Symbolen wird als anikonische Phase der buddhistischen Kunst bezeichnet.

Siddhartha Gautama, der nach seiner Erleuchtung den Ehrentitel Buddha Shakyamuni erhielt, wurde der Überlieferung zufolge in Lumbini, im Grenzgebiet der heutigen Staaten Indien und Nepal, als Prinz geboren. Er wuchs im Palast seines Vaters in Kapilavastu auf, den er als junger Mann verliess, um die Ursachen des Leidens zu ergründen. Nach langer Meditation verwirklichte er in Bodhgaya die Erleuchtung. In der indischen Stadt Sarnath hielt er seine erste Lehrrede zum Ursprung und zur Überwindung des Leidens. Umgeben von Menschen, die ihn verehrten, starb er im hohen Alter in Kushinagara.

Baum der Erleuchtung

49 Tage – so lange währte die Meditation, mit der Siddhartha Gautama unter einem Baum die Erleuchtung verwirklichte.

Siddhartha Gautama schloss sich auf seiner Suche nach dem Ursprung des Leidens verschiedenen Asketen seiner Zeit an. Er probierte die von ihnen empfohlenen Übungen des Verzichts und der Enthaltsamkeit und hungerte sich fast zu Tode. Körperlich und geistig geschwächt kam er zu der Erkenntnis, dass nur intensive Meditation und ein Weg zwischen den Extremen zur höchsten Erkenntnis von der Befreiung vom Leiden führt.

Der Bodhibaum mit dem leeren Thron erinnert an Buddha Shakyamuni © Biswarup Ganguly eigenes Werk, via Wikimedia Commons, CC BY-3.0, Bildausschnitt

Das Relief aus der indischen Stadt Mathura zeigt einen leeren Thron des Buddha unter einer Pappel-Feige. Das Bild steht für den Moment seiner Erleuchtung, bodhi. Diese zeichnet sich aus durch die Befreiung von Begierde, Hass und Unwissenheit. Siddhartha Gautama wird zu Buddha Shakyamuni, dem Weisen aus der Fürstenfamilie der Shakya. Anschliessend wanderte er durch Nordindien und vermittelte seine Erkenntnisse von der Entstehung des Leidens und wie es beendet werden kann. Seine Anhängerschaft wuchs stetig und die ersten Mönchs- und Nonnenorden wurden gegründet. Shakyamuni ermunterte sie, seinen Ideen nicht einfach zu folgen, sondern sie einer genauen Prüfung zu unterziehen.

«Ein Vollendeter glaubt nicht, dass unbedingt er den Orden leiten müsse, oder dass der Orden auf ihn angewiesen sei. Darum habt die Lehre als Insel, die Lehre als Zuflucht!»

Buddha Shakyamuni, Digha-Nikaya 16 Aus: Dhammapada – Die Weisheitslehren des Buddha, 2005 (1998), Freiburg, Basel, Wien: Herder, gekürztes Zitat

Rad der Lehre

In einem Gazellenhain im nordindischen Sarnath legte Buddha erstmals seine Erkenntnisse dar. Damit wurde das Rad der buddhistischen Lehre in Gang gesetzt.

Eingang des «Klösterlichen Tibet-Instituts» © Tibet-Institut Rikon

Das «Klösterliche Tibet-Institut» in Rikon bei Winterthur ist das spirituelle Zentrum der grössten tibetischen Exil-Gemeinschaft Europas. Das Rad über dem Eingang ist von einem Gazellenpaar flankiert – als Erinnerung an die erste Lehrrede des Buddha.

Das Rad der Lehre, dharmachakra, steht für den Buddhismus selbst und zugleich für den Weg, der aus dem als leidvoll empfundenen Kreislauf der Wiedergeburten herausführt. Die Grundlage der Lehre, dharma, sind die «Vier Edlen Wahrheiten».

«Es ist Leid.
Es ist eine Ursache des Leides.
Es ist eine Vernichtung des Leides.
Es ist ein Weg zur Vernichtung des Leides.»

Buddha Shakyamuni, Das Gleichnis der Zauberstadt Aus: Lotos-Sutra. Das grosse Erleuchtungsbuch des Buddhismus, 2003, Freiburg: Herder, gekürztes Zitat

Nach buddhistischem Verständnis durchlaufen alle Lebewesen zahlreiche Wiedergeburten. Taten und Haltungen des vorherigen Lebens, das karma, bestimmen die Art der Wiedergeburt. Ziel ist es, den Kreislauf der Wiedergeburten, samsara, endgültig zu verlassen. Nach dem Tod des Buddha wurden seine mündlich überlieferten Lehrreden von erfahrenen Mönchen gesammelt und in verschiedenen Zusammenkünften gemeinsam diskutiert und erstmals im 1. Jh. v. Chr. handschriftlich abgefasst. Das Rad der Lehre ist bis heute in Bewegung und seine symbolische Bedeutung ungebrochen.

Rad der Lehre mit acht Speichen © Christopher J. Fynn, eigenes Werk, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, Bildausschnitt

Die acht Speichen versinnbildlichen den «Edlen Achtfachen Pfad» zur Überwindung des Leidens. Dieser Pfad ist eine Anleitung zu achtsamer Lebensführung und Geistesschulung für Laien, Mönche und Nonnen.

Denkmal der Erleuchtung

Der stupa ist ein kreisförmiges Denkmal und Reliquienschrein, ein Behältnis für als heilig verehrte menschliche Überreste. Er schafft eine Verbindung zwischen physischer und spiritueller Welt.

stupa, Sri Lanka, vor 1898 IIa 30a+b, Slg. P. u. F. Sarasin, Geschenk 1898 © Museum der Kulturen

Nach seinem Tod wurden Asche, Knochen und Zähne des Buddha auf mehrere Grabhügel verteilt. Aus diesen Grabhügeln entwickelte sich der stupa: Auf einem runden oder kugelförmigen Sockel sitzt ein Quadrat, das die Reliquien enthält. Den Abschluss bildet eine Spitze mit einer Krone. Im Laufe der Jahrhunderte wurden in Asien immer mehr Bauwerke erschaffen, um buddhistische Reliquien aufzubewahren. Bis heute sind sie wichtige Pilgerorte.

© Peter Thiele, Berlin

stupa in Sarnath, Indien

© Silvia Greber, Zürich

chörten am Buddhistischen Zentrum, Zürich, Schweiz

© Peter Thiele, Berlin

chörten des Kharbandi-Klosters, Bhutan

© Peter Thiele, Berlin

Majolika pagoda im Xiangshan-Park in Beijing, China

© Peter Thiele, Berlin

Stupaförmige tzatzas im Himalaya

© Halavar, eigenes Werk, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, Bildausschnitt

Die Shwedagon Pagode in Rangun, Myanmar

© Peter Thiele, Berlin

stupas in Borobudur, Indonesien

© Peter Thiele, Berlin

pagoda in Bagan, Myanmar

© Peter Thiele, Berlin

stupa in Sarnath, Indien

© Silvia Greber, Zürich

chörten am Buddhistischen Zentrum, Zürich, Schweiz

© Peter Thiele, Berlin

chörten des Kharbandi-Klosters, Bhutan

© Peter Thiele, Berlin

Majolika pagoda im Xiangshan-Park in Beijing, China

© Peter Thiele, Berlin

Stupaförmige tzatzas im Himalaya

© Halavar, eigenes Werk, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, Bildausschnitt

Die Shwedagon Pagode in Rangun, Myanmar

© Peter Thiele, Berlin

stupas in Borobudur, Indonesien

© Peter Thiele, Berlin

pagoda in Bagan, Myanmar

© Peter Thiele, Berlin

stupa in Sarnath, Indien

© Silvia Greber, Zürich

chörten am Buddhistischen Zentrum, Zürich, Schweiz

© Peter Thiele, Berlin

chörten des Kharbandi-Klosters, Bhutan

© Peter Thiele, Berlin

Majolika pagoda im Xiangshan-Park in Beijing, China

© Peter Thiele, Berlin

Stupaförmige tzatzas im Himalaya

© Halavar, eigenes Werk, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, Bildausschnitt

Die Shwedagon Pagode in Rangun, Myanmar

© Peter Thiele, Berlin

stupas in Borobudur, Indonesien

© Peter Thiele, Berlin

pagoda in Bagan, Myanmar

stupa in Sarnath, Indien

Je nach Land firmiert der Reliquienschrein unter einer anderen Bezeichnung: stupa in Indien, dagoba in Sri Lanka, paya in Myanmar, chedi in Thailand, ta in China, to in Japan oder chörten in Tibet. Pagode ist eine in Ost- und Südostasien gebräuchliche Sammelbezeichnung.

Ein Mönch fragte Meister Tozan: «Was ist Buddha?»
Tozan sagte: «Drei Pfund Flachs.»

Ein menschliches Antlitz für Buddha

Ein mensch­liches Antlitz für Buddha

Haupt eines Buddha, Gandhara, vermutl. 3./4. Jh. Kalkstein © Museum der Kulturen Basel, IIa 667, Sammlung A. Sarasin-Iselin, Geschenk 1934

Zeitgleich mit den ersten Bildnissen von verehrten Personen und Gottheiten in anderen Weltreligionen entstehen um die Zeitenwende die ersten menschlichen Darstellungen des Buddha. Damit beginnt die ikonische Phase der buddhistischen Kunst.

Im 2. und 3. Jh. wurde Mathura zu einem politischen und kulturellen Zentrum in Nordindien. Die Kushana-Herrscher förderten in ihrem Reich neben dem Fernhandel auch Kunst und Religionen. Es entwickelten sich ein reger Austausch und eine religiöse Bildsprache, die sowohl die frühe hinduistische wie auch die buddhistische Kunst nachhaltig prägte.

Die Region Gandhara, im Grenzgebiet der heutigen Staaten Pakistan und Afghanistan, war durch den transkontinentalen Handel zwischen Asien und Europa mit dem Mittelmeerraum verbunden. Der florierende Handel zog zahlreiche Handwerker an, die eine Fülle von Bildnissen schufen und so die Verbreitung der buddhistischen Kunst förderten.

Das Bildnis des Buddha

Wo genau das erste Bildnis des historischen Buddha entstand, ist nicht geklärt. Während die Künstler in Gandhara europäische Elemente in ihre Bildnisse integrierten, bezogen sich die Künstler aus dem indischen Mathura auf Vorbilder aus der Kunst Südasiens.

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    Buddha Shakyamuni, Mathura, 2. Jh. Linden-Museum, Stuttgart

    Der Buddha aus Mathura kombiniert Elemente eines Asketen mit denen eines Cakravartin, eines Weltenherrschers. So entsteht das idealisierte Bildnis eines vollkommenen Menschen mit der Ausstrahlung eines Erleuchteten. Merkmal der frühen Bildnisse ist der auf die Betrachtenden gerichtete Blick.

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    Buddha Shakyamuni, Gandhara, 3./4. Jh. IIa 11491, Slg. G. u. M. Kinzel, Legat 2006 © Museum der Kulturen Basel

    Der Buddha aus Gandhara verbindet Elemente der griechischen und vorderasiatischen Kunst mit buddhistischen Inhalten: Die Wölbung auf dem Kopf als Symbol der Erleuchtungsweisheit erinnert an den Haarknoten antiker Statuen, der Strahlenkranz hinter seinem Kopf unterstreicht die spirituelle Grösse des Buddha. Die Gesichtszüge erinnern an griechische Götter der Antike ebenso wie der Faltenwurf des Gewandes.

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    Interreligiöse Beziehungen

    Buddha Shakyamuni mit den indischen Göttern Brahma und Indra © Art Institute of Chicago, CC0 Public Domain Designation, Bildausschnitt

    Das Relief zeigt Buddha Shakyamuni, der von den indischen Gottheiten Brahma und Indra verehrt wird. Bereits zur Geburt des Buddha sollen sie anwesend gewesen sein und das aussergewöhnliche Kind mit Geschenken verehrt haben. Nicht nur in künstlerischer Hinsicht bestand eine enge Verbindung zwischen dem Buddhismus und den frühen indischen Religionen. Zahlreiche Konzepte dieser Zeit wurden vom Buddhismus aufgenommen oder neu interpretiert, beispielsweise das Gesetz von Ursache und Wirkung aller Handlungen, karma, und die Vorstellung eines Kreislaufs der Wiedergeburten, samsara. Im Mittelpunkt der hinduistischen Opferrituale standen die Priester, die Brahmanen. Sie beanspruchten eine Vermittlerrolle zwischen Menschen und Gottheiten. Im Gegensatz dazu erfolgten die buddhistischen Unterweisungen in Lokalsprachen. Die Lehre vermied Exklusivität und war offen für alle, die sich interessierten.

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Was macht Buddha zum Buddha?

Über die Jahrhunderte entwickelte sich in Südasien eine Bildsprache, der die Darstellungen des Buddha bis heute folgen. Neben den figürlichen Darstellungen behalten die buddhistischen Symbole weiterhin ihre Gültigkeit.

In den überlieferten Texten werden insgesamt 32 grosse und 80 kleine Merkmale eines Buddha beschrieben. Sie kennzeichnen ihn als mahapurusha, einen grossen Menschen. Einen Teil dieser Merkmale berücksichtigten die Künstler der damaligen Zeit und schufen das idealisierte Bildnis eines Erleuchteten. Diese Vorlage wurde mit lokalen Kunsttraditionen der jeweiligen Regionen verschmolzen.

Medizinbuddha, Tibet, 18. Jh. IId 13900, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Die verschiedenen Handgesten, mudras, drücken unterschiedliche Eigenschaften oder Tätigkeiten des Buddha aus. Die meisten sitzenden Darstellungen des Buddhas betonen seinen meditativen Charakter, während die stehenden Figuren Dynamik und Zugewandtheit zum Ausdruck bringen.

Sri Lanka, vor 1891, IIa 160, Slg. P. u. F. Sarasin, Geschenk 1898 © Museum der Kulturen Basel

Buddha Shakyamuni mit der Geste der Lehrdarlegung und Argumentation, vitarka mudra

Tibet, 10./11. Jh., IId 13890, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Buddha Shakyamuni mit der Geste der Schutzgewährung und Ermutigung, abhaya mudra

Thailand, vor 1930, IIb 311, Slg. R. Eisenhofer, Kauf 1930 © Museum der Kulturen Basel

Buddha Shakyamuni mit der Geste der doppelten Schutzgewährung, abhaya mudra

Sri Lanka, vor 1891, IIa 160, Slg. P. u. F. Sarasin, Geschenk 1898 © Museum der Kulturen Basel

Buddha Shakyamuni mit der Geste der Lehrdarlegung und Argumentation, vitarka mudra

Tibet, 10./11. Jh., IId 13890, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Buddha Shakyamuni mit der Geste der Schutzgewährung und Ermutigung, abhaya mudra

Thailand, vor 1930, IIb 311, Slg. R. Eisenhofer, Kauf 1930 © Museum der Kulturen Basel

Buddha Shakyamuni mit der Geste der doppelten Schutzgewährung, abhaya mudra

Sri Lanka, vor 1891, IIa 160, Slg. P. u. F. Sarasin, Geschenk 1898 © Museum der Kulturen Basel

Buddha Shakyamuni mit der Geste der Lehrdarlegung und Argumentation, vitarka mudra

Tibet, 10./11. Jh., IId 13890, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Buddha Shakyamuni mit der Geste der Schutzgewährung und Ermutigung, abhaya mudra

Thailand, vor 1930, IIb 311, Slg. R. Eisenhofer, Kauf 1930 © Museum der Kulturen Basel

Buddha Shakyamuni mit der Geste der doppelten Schutzgewährung, abhaya mudra

Buddha Shakyamuni mit der Geste der Lehrdarlegung und Argumentation, vitarka mudra

«Wer den Glauben praktiziert, verinnerlicht das Bild des Buddha, indem er zunächst das Bild betrachtet und es anschliessend in sich in eine Art mentales Bild verwandelt. Und dann reflektiert der Gläubige die Eigenschaften des Buddha – seinen Körper, seine Worte und seinen Geist.»

Thupten Jinpa, Religionswissenschaftler und langjähriger Übersetzer des 14. Dalai Lama Aus: Neil McGregor, Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten, 2017 (2011), München: C.H.Beck

Wu-tsu sprach: «Wenn du auf dem Weg einem Meister des Weges begegnest, darfst du ihm nicht mit Worten und auch nicht mit Schweigen erwidern. Sag: Wie willst du ihm dann erwidern?»

Wege des Buddhismus

Wege des
Bud­dhis­mus

Mahabodhi Tempel in Bodhgaya, Indien als Ort verschiedener buddhistischer Richtungen Mahabhodi-Tempel © chaostrophy, eigenes Werk, via flickr.com, CC BY-SA 2.0, unverändert.

Der Buddhismus ist keine Religion mit einem für alle gültigen Dogma. Im Laufe seiner Geschichte entstanden verschiedene Strömungen. Gemeinsam ist ihnen das Ziel der Erleuchtung, die Wege dorthin sind unterschiedlich.

Von Indien verbreitete sich der Buddhismus nach Süden und gelangte über Sri Lanka auf dem Seeweg nach Myanmar, Thailand und Java. Bis heute ist dort der Theravada-Buddhismus, die «Lehre der Ältesten», vorherrschend. Auf Handels- und Pilgerwegen wanderte die buddhistische Lehre seit dem 1. Jahrhundert auch nach Norden, nach China, Korea und Japan.

In den Ländern der nördlichen Route ist heute der Mahayana-Buddhismus, der «Grosse Weg», verbreitet. Ab dem 8. Jahrhundert setzte sich der Buddhismus in den Himalaya-Ländern durch. In Tibet, Nepal, Bhutan und der Mongolei ist die Richtung des Vajrayana-Buddhismus, des «Diamantweges», beheimatet, der teilweise auch in China und Japan übernommen wurde.

«Die Lehre ist lediglich ein Fahrzeug, ein Mittel, um die Wahrheit zu beschreiben. Missversteht sie nicht als die Wahrheit selbst.»

Buddha Shakyamuni, Lehrreden Aus: Thich Nhat Hanh, Wie Siddhartha zum Buddha wurde, 1992, München: Theseus

Theravada – Lehre der Ältesten

Theravada ist der älteste Zweig des Buddhismus. Im Zentrum stehen die Unterweisungen des Buddha.

«Klar und bewusst möge ein Mönch verharren und achtsam; das sei für euch, ihr Mönche, unser Gebot.»

Buddha Shakyamuni, Lehrreden Aus: Reden des Buddha, 2008 (1957), Stuttgart: Reclam

Der Pali-Kanon enthält neben den Lehrreden des Buddha Ordensregeln und erläuternde Kommentare der Schüler des Buddha. Er bildet bis heute die Grundlage der Theravada-Lehre. Sie wird getragen durch durch Mönchs- und Nonnenorden, den sangha. In der Praxis, die zum Ziel der Erleuchtung führen soll, spielen materielle Entsagung, Meditation und Enthaltsamkeit eine zentrale Rolle.

Buddha und Mönche beim Almosengang, Wat Dhaukanong, Thailand, vor 1962 IIb 2129, Slg. T. Meier, Kauf 1962, © Museum der Kulturen Basel

In vielen Ländern findet jeden Morgen der Almosengang von Mönchen und Nonnen statt. Dieses Ritual gibt der Bevölkerung die Möglichkeit zu spenden und dadurch spirituelle Verdienste zu erwerben. Gemäss Theravada muss jeder Mensch aus eigener Kraft die Erleuchtung verwirklichen. Die einzigen Hilfsmittel sind Buddha als menschliches Vorbild und seine Lehre. Durch die konsequente Überwindung der Geistesgifte Gier, Hass und Unwissenheit und intensive Meditationspraxis kann es nach zahlreichen Wiedergeburten bereits zu Lebzeiten gelingen, Erleuchtung zu verwirklichen und dadurch zum arhat, zum Würdigen, zu werden.

Buddha Shakyamuni, Thailand, vor 1950 Gelbmetall © Museum der Kulturen Basel, IIb 1634, Sammlung L. Paravicini, Geschenk aus Nachlass 1951

Buddha Shakyamuni sitzt in Meditationshaltung auf dem Lotosthron. Mit der Geste der rechten Hand bittet er die Göttin der Erde zu bezeugen, dass er die Erleuchtung verwirklicht hat. Das Zeichen hierfür ist eine kleine Flamme, die auf dem Kopf des Buddha zu sehen ist. Da Buddha Shakyamuni im Theravada Vorbild für die spirituelle Praxis ist, sind Darstellungen von ihm oder von Ereignissen aus seinem Leben in der buddhistischen Kunst Südostasiens vorherrschend.

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    Buddha und der Schlangen­könig

    Buddha auf dem Schlangenthron, Thailand, 16./17. Jh. IIb 1523, Slg. F. Sarasin, Geschenk 1940 © Museum der Kulturen Basel

    Während eines einwöchigen Unwetters kam der Schlangenkönig Mucalinda Buddha zu Hilfe: Er umwand ihn, um ihn vor Regen und Kälte zu schützen. Sein siebenköpfiges Haupt richtete er hinter ihm auf und beschirmte ihn mit seiner gespreizten Halshaut. Der Überlieferung zufolge handelt es sich hier um eine Episode aus dem Leben des Buddha.

    Dieses Motiv verbreitete sich ab dem 7. Jahrhundert in Südostasien und reifte dort zu einer der wichtigsten Darstellungen des Buddha: Die Naga, Schlangenwesen, sind Teil lokaler, nicht-buddhistischer Mythen und fanden auf diese Weise Eingang in die buddhistische Kunst.

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Eingang des Buddha ins parinirvana , Thailand, vor 1937 IIb 839, Slg P. Wirz, Kauf 1937 © Museum der Kulturen Basel

Dem Verständnis des Theravada- Buddhismus zufolge verwirklichte der Buddha nirvana, das höchste Glück, Ruhe und Befreiung vom Kreislauf der Wiedergeburten durch die Erleuchtung bereits zu Lebzeiten. Mit seinem Tod ging er in das parinirvana, das vollständige Verlöschen ein und verlässt damit endgültig den Kreislauf der Wiedergeburten, samsara. Die Unterscheidung zwischen nirvana und parinirvana ist eine Besonderheit des Theravada.

parinirvana des Buddha, Gal Vihara Höhle, Sri Lanka © Peter Thiele, Berlin

Mahayana - Weg des Mitgefühls

Der Mahayana-Buddhismus etablierte sich um die Zeitenwende. Ältere buddhistische Ideen und Werte wurden neu interpretiert. Auf dem Weg zur Befreiung wurden Mitgefühl, karuna, und Weisheit, prajna, zentral.

«Alles Glück in der Welt stammt
vom Wunsch für der Anderen Glück,
Alles Elend in der Welt kommt
vom Wunsch für unser eigenes Glück.»

Santideva Aus: Geshe Wangyal, Tibetische Meditationen, 1991 (1973), Zürich: Theseus

Dem Mahayana-Verständnis zufolge trägt jedes Lebewesen den Keim der Erleuchtung in sich. Dieser ist lediglich verdeckt von vielfältigen Emotionen, den «Geistesgiften» Gier, Hass und Unwissenheit. Sie binden den Menschen an das samsara. Im Mahayana ist Erleuchtung nicht mehr nur Mönchen vorbehalten, wie im Theravada angenommen, sondern steht allen Menschen offen.

Buddha Shakyamuni, China, vor 1908 IId 433, Slg. unbekannt, Kauf 1908 © Museum der Kulturen Basel

Eine Besonderheit des Mahayana sind Bodhisattvas, erwachte Wesen, die grenzenloses Mitgefühl verkörpern. Sie sind meistens in üppigen Gewändern und mit reichem Schmuck dargestellt. Die Bodhisattvas verzichten auf ihren eigenen Eingang ins nirvana, um andere Wesen auf dem Weg zur höchsten Erkenntnis zu ermutigen und zu führen. Nach eigenem Verständnis ist diese selbstlose Haltung ein wesentliches Merkmal des Mahayana im Unterschied zum Theravada.

Bodhisattva Avalokiteshvara, Tibet, 15. Jh. Gelbmetall, Farbreste © Museum der Kulturen Basel, IId 13927, Sammlung G.W. Essen, Kauf 1998

Der bekannteste Bodhisattva ist Avalokiteshvara. Er ist die Verkörperung des Mitgefühls schlechthin. Einer Legende zufolge war er so betroffen von Elend und Leid auf der Welt, dass sein Kopf in tausend Stücke zerbarst. Sein spiritueller Vater, Buddha Amitabha, fügte die Teile wieder zusammen, so dass sich daraus zehn Köpfe ergaben. Seinen eigenen Kopf setzte er zuoberst. Mit seinen vielen Augen ist Avalokiteshvara in der Lage, alles Leiden zu sehen, um allen Lebewesen helfen zu können.

Padmapani mit Manjushri und Vajrapani, Tibet, 12. Jh. IId 13933, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel
Shyama Tara, Tibet, 14./15. Jh. IId 13959, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Neben männlichen gibt es auch weibliche Bodhisattvas, die je nach Notlage angerufen werden können. So gewährt Shyama Tara, die Grüne Tara, tatkräftige Unterstützung in allen Lebenslagen. Sie hat sich vermutlich aus einem Himmelsstern entwickelt, der für die Landnavigation entlang der Seidenstrassen genutzt wurde. Jetzt gibt sie Orientierung auf dem Weg zur Erleuchtung.

Buddha Maitreya, Tibet, 9./10. Jh. © Museum der Kulturen Basel, IId 13895, Sammlung G.-W. Essen, Kauf 1998

Der Bodhisattva Maitreya wird zum Buddha der Zukunft. Je nach Zeitrechnung geschieht dies frühestens in etwa 500 Jahren. Er ist der Einzige, der in einer Sitzhaltung dargestellt wird, so dass beide Füsse den Boden berühren. Seine Hände zeigen die Geste der Lehrdarlegung. Gemäss buddhistischer Überlieferungen war Buddha Shakyamuni weder der erste noch der letzte Buddha. Seine Vorgänger und Nachfolger werden in einer Zeitachse als Buddhas der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft bezeichnet.

Vajrayana – Diamantweg zur Befreiung

Die Tradition des Vajrayana-Buddhismus entstand Mitte des ersten Jahrtausends durch die Einbindung ritueller Techniken in den Mahayana-Buddhismus.

«Stütze dich auf authentische Lehrer, die Erkenntnis und Mitgefühl besitzen.»

Dschetsün Gampopa Aus: Dschetsün Gampopa, Die Kostbare Girlande für den höchsten Weg, 1999, Berlin: Theseus

Die religiöse Bewegung des Tantra entstand Mitte des ersten Jahrtausends in Nordostindien und prägte den Vajrayana-Buddhismus. Dieser Weg zur Erleuchtung ist von zahlreichen Ritualen geprägt und bedarf der Unterweisung durch spirituelle Lehrerinnen und Lehrer. Die tantrische Lehre beeinflusste sowohl den Hinduismus als auch den Buddhismus. Die vermittelten Techniken und Rituale sollen helfen, einen höheren Bewusstseinszustand zu erlangen.

Padmasambhava mit Weisheitspartnerinnen, Tibet, 17. Jh. IId 14009, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der tantrische Meister Padmasambhava hatte zahlreiche Schülerinnen und Schüler. Zwei von ihnen wurden seine Weisheitspartnerinnen und werden häufig gemeinsam mit ihm dargestellt. Padmasambhava ist der Begründer der buddhistischen Lehre in Tibet und den Himalayaländern. Im 8. Jh. gelangte er auf einer Tigerin reitend nach Tibet, besiegte die dort lebenden Dämonen und veranlasste den Bau des ersten buddhistischen Klosters.

vajra und ghanta, Tibet, 17. Jh. IId 14093, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Im Vajrayana weisen Rituale den Weg zur Verwirklichung der Erleuchtung. Glocke und Diamantzepter, vajra, unterstützen die rituellen Handlungen. Das Rezitieren von Mantras, die Meditation und das Visualisieren von Gottheiten helfen, um bodhicitta, den erleuchteten Bewusstseinszustand, zu verwirklichen. Die rituelle Praxis verwandelt die Geistesgifte, negative Eigenschaften, in Medizin. Anders als im Theravada und Mahayana kann Erleuchtung theoretisch sogar in einem einzigen Leben erlangt werden – auch wenn dies für die meisten Praktizierenden unwichtig ist.

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    Der Grosse Fünfte

    Ngawang Lobzang Gyatso, der 5. Dalai Lama, Tibet, 18. Jh. IId 13816, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

    Inkarnationslinien, bewusste Wiedergeburten religiöser Meisterinnen und Meister, sind eine Besonderheit des Vajrayana. Es gibt sie in Tibet, Bhutan, Japan und der Mongolei. Eine Inkarnation ist die bewusste Wiedergeburt eines Erleuchteten in einem menschlichen Körper. Die bekannteste Inkarnationslinie ist die der Dalai Lamas, die als menschliche Verkörperungen des Bodhisattva Avalokiteshvara gelten.

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Im Vajrayana-Buddhismus manifestiert sich der Zustand der Erleuchtung auf drei hierarchisch angeordneten Ebenen, trikaya. Auf der untersten Ebene erscheinen die irdischen Buddhas. Sie sind für alle Menschen erfahrbar. Zu ihnen zählen der historische Buddha Shakyamuni und der zukünftige Buddha Maitreya. Auf der zweiten Ebene treten die fünf Transzendenten Buddhas in Erscheinung. Sie unterliegen weder Zeit noch Raum, stehen für Weisheit und Befreiung und sind nur in der Meditation wahrnehmbar. Auf der höchsten Ebene ist der Ur-Buddha die Verkörperung der absoluten Wirklichkeit, die nur im Moment der Erleuchtung erfahrbar ist.

Tibet, 14. Jh., IId 13881, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Akshobhya, der Unerschütterliche. Er verkörpert die Unzerstörbarkeit der Erleuchtung

Tibet, 16. Jh., IId 13883, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Ratnasambhava, der Juwelengeborene. Er verkörpert die Wunscherfüllung

Tibet, 15. Jh., IId 13882, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Amitabha, die Verkörperung des Grenzenlosen Lichts und der alles durchdringenden Weisheit

Tibet, 15. Jh., IId 13884, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Amoghasiddhi, der Allesverwirklichende. Er verkörpert den unfehlbaren Erfolg

Tibet, 14./15. Jh., IId 13879, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Vairocana, der Sonnengleiche. Er verkörpert Allwissenheit

Tibet, 14. Jh., IId 13881, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Akshobhya, der Unerschütterliche. Er verkörpert die Unzerstörbarkeit der Erleuchtung

Tibet, 16. Jh., IId 13883, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Ratnasambhava, der Juwelengeborene. Er verkörpert die Wunscherfüllung

Tibet, 15. Jh., IId 13882, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Amitabha, die Verkörperung des Grenzenlosen Lichts und der alles durchdringenden Weisheit

Tibet, 15. Jh., IId 13884, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Amoghasiddhi, der Allesverwirklichende. Er verkörpert den unfehlbaren Erfolg

Tibet, 14./15. Jh., IId 13879, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Vairocana, der Sonnengleiche. Er verkörpert Allwissenheit

Tibet, 14. Jh., IId 13881, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Akshobhya, der Unerschütterliche. Er verkörpert die Unzerstörbarkeit der Erleuchtung

Tibet, 16. Jh., IId 13883, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Ratnasambhava, der Juwelengeborene. Er verkörpert die Wunscherfüllung

Tibet, 15. Jh., IId 13882, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Amitabha, die Verkörperung des Grenzenlosen Lichts und der alles durchdringenden Weisheit

Tibet, 15. Jh., IId 13884, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Amoghasiddhi, der Allesverwirklichende. Er verkörpert den unfehlbaren Erfolg

Tibet, 14./15. Jh., IId 13879, Slg. G.-W. Essen, Kauf 1998 © Museum der Kulturen Basel

Der transzendente Buddha Vairocana, der Sonnengleiche. Er verkörpert Allwissenheit

Der transzendente Buddha Akshobhya, der Unerschütterliche. Er verkörpert die Unzerstörbarkeit der Erleuchtung

Eine Besonderheit der transzendenten Buddhas sind eine fünfblättrige Krone, üppiger Schmuck und kostbare Kleidung. Dies bringt zum Ausdruck, dass sie immer präsent sind und nicht mehr den Gesetzen von Zeit und Vergänglichkeit unterliegen.

Ein Mönch fragte Yuanwu Kequin: «Was ist Buddha?»
Yuanwu erwiderte: «Der Mund ist das Tor des Unglücks.»

Der innere Buddha

Der innere Buddha

Ein Buddha-Bildnis hat keine dekorative Funktion. Es ist eine Stütze für die Meditation und ein Hilfsmittel, um den Erleuchtungsgeist zu verwirklichen. Am Ende des Weges wird es zurückgelassen.

Erleuchtung ist nicht bildlich darstellbar. Im japanischen Zen-Buddhismus, der im Mahayana gründet, wird Kalligraphie als Methode zur Geistesschulung eingesetzt. Die so entstehenden Bildwerke sind Ausdruck der spirituellen Praxis und zeigen zugleich, wie sich der Erleuchtungsgeist des Praktizierenden entfaltet.

«Den Weg der Erleuchtung kennenlernen und meistern heisst,
sein wahres Selbst kennenlernen und meistern.
Sein wahres Selbst kennenlernen und meistern heisst,
sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen,
bedeutet eins zu werden mit dem ganzen Universum.»

Zen Meister Dogen Zenji (1200-1253) Aus: Fabrice Müller, Der Erleuchtung ist es egal, wie man sie erlangt, in: natürlich, Ausgabe 3/2020, www.lasalle-haus.org
Kensho – das Erkennen der eigenen Buddha-Natur © Tagebuch eines Zen-Lehrlings, Zeichnungen und Text von Sato Giei, Pfullingen: Neske 1988

Japanische Koans, paradoxe Anekdoten und Aussprüche, trainieren unseren Erleuchtungsgeist. Die Aussagen erschliessen sich nicht durch Nachdenken oder Logik, sondern nur intuitiv.

«Triffst Du Buddha unterwegs, töte ihn!»

Geheimtipp

Oder ver­such's mal ...

… mit einer Meditation in direkter Nachbarschaft zahlreicher Buddhas!

Bereits wenige Minuten Meditation pro Tag verbessern die Konzentration und reduzieren Stress. Die Meditations-Station in der Ausstellung bietet die Möglichkeit, dies auszuprobieren: Um die Gedanken zur Ruhe zu bringen und den steten Gedankenfluss zu unterbrechen, hilft es, bewusst dem Ein- und Ausatmen zu folgen. Eine aufrechte Körperhaltung und eine ruhige Umgebung sind ebenfalls hilfreich. Meditation trainiert man wie Radfahren – regelmässige Übung bringt Meisterschaft.

Buddha Shakyamuni mit Opfergaben, Sri Lanka © Peter Thiele, Berlin